Die Regionalbewegung in Deutschland

Eine Möglichkeit, die wirtschaftliche Leistung von Bäuerinnen und Bauern angemessen zu honorieren, ist die Direktvermarktung. Gerade während der vergangenen zwei Jahre erlebten Hofläden durch die Corona-Pandemie einen großen Zulauf. Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen zunehmend die qualitativ hochwertigen Lebensmittel, die Transparenz durch den direkten Kontakt zum Produzenten oder gar den Einkauf als Erlebnisausflug im Familienbund. Diese Stimmung können sich bäuerliche Betriebe zu Nutze machen und ihre Produkte regional vermarkten. Da nicht jeder Betrieb die Kapazitäten hat, einen Hofladen zu führen, einen Marktstand zu betreuen oder SB-Automaten zu bestücken ist Kooperation der Schlüssel zum Erfolg. Das erkannte schon früh der im Jahr 2005 gegründete Bundesverband der Regionalbewegung, der sich als Dachverband der vielfältigen Akteure regionalen Wirtschaftens versteht. Zahlreiche Projekte sowie ein großes Netzwerk einzelner Regionalvermarktungsinitiativen sind im Laufe der Zeit entstanden.

Ein Projekt ist die im Jahr 2013 entwickelte und stetig wachsende RegioApp. Die kostenlose Applikation für das Smartphone bietet Verbraucherinnen und Verbrauchern die Chance, regionale Produkte in ihrer direkten Nachbarschaft zu finden. Über das Menü können gewünschte Produktgruppen ausgewählt und die anbietenden Stellen auf einer Karte angezeigt werden. Auf den ersten Blick sind auch die Öffnungszeiten ersichtlich. Betriebe haben hier die Möglichkeit, sich und ihre Produkte zu präsentieren und sind zudem durch regionale Vermarktungsinitiativen als „Vor-Ort-Bündler“ vernetzt. Diese regionalen Bündler sind beispielsweise in der Kreisverwaltung oder Wirtschaftsförderung ansässige Personen des Regionalmarketings, zu deren Aufgaben es gehört, ihre Markenpartner zu betreuen, zu beraten, verkaufsfördernde Aktionen durchzuführen und mit weiteren Kooperationspartnern zu vernetzen. Auch Familie Goeke aus dem ostwestfälischen Bad Driburg ist in der RegioApp vertreten und profitiert vom Netzwerk der Regionalbewegung. Über die Regionalmarke „Kulturland Kreis Höxter“ ist der Betrieb mit weiteren Höfen verbunden. In ihrem durchgängig geöffneten SB-Warenhäuschen am Hof vermarkten sie Eier, Nudeln und Geflügel. Um das Sortiment abzurunden, werden auch Kartoffeln und Wurst von zwei Nachbarbetrieben verkauft. „Als wir vor rund drei Jahren mit der Direktvermarktung begonnen haben, hätten wir nicht gedacht einen so regen Zulauf in unserem Dorf zu erhalten“, resümiert Agrarbetriebswirtin Lena-Marie Goeke zufrieden. Gerade im ländlichen Raum bieten Angebote am Hof in den einzelnen Dörfern eine gute Alternative zum Supermarkt im nächsten größeren Nachbarort.    

Auch die AbL ist sich der Möglichkeiten bewusst, die die Regionalbewegung zu bieten hat und der AbL-Landesverband NRW ist Netzwerkpartner im „Landesdialog Regionalitätsstrategie NRW - Zukunftschancen für Regionalvermarktung, Biodiversität und bäuerliche Betriebe“. Das im Januar 2019 gestartete Projekt macht sich für einen flächendeckenden Ausbau regionaler Vermarktung stark und entwickelt bis Anfang 2022 Handlungsansätze für eine Förderung regionaler Strukturen. Ein mögliches Ergebnis dieser Bemühungen ist die Errichtung sogenannter Regionaler Wertschöpfungszentren, die als Orte der Beratung und des Austauschs sowie als gewerbliche Zentren zur Bündelung und Logistikorganisation der Wertschöpfungskette fungieren können.